23.04.2014: Winterquartierkontrollen und die grosse Unbekannte

Grosses Mausohr im Winterquartier

Im Winter 2013/14 wurden im Kanton Schaffhausen und im Landkreis Konstanz wiederum zahlreiche Höhlen, Stollen und Keller nach überwinternden Fledermäusen abgesucht. Doch die Bestände waren in diesem Winter eher tief. Eine Folge des warmen Winters?

Im Winterhalbjahr, wenn die Fledermaus-Saison weitgehend ruht, bilden die Winterquartierkontrollen dies- und jenseits der Landesgrenze immer wieder ein Highlight im oft grauen Winter-Alltag. Auch wenn wir in den verschiedenen unterirdischen Quartieren jeweils nur einen Bruchteil der Fledermaus-Bestände des Sommers finden, konnten wir in den vergangenen Jahren im Kanton Schaffhausen und im Landkreis Konstanz regelmässig um 50 winterschlafende Tiere entdecken. Im vergangenen Winter waren es aber gerade einmal halb so viele: In den 24 kontrollierten Objekten konnten wir 23 Fledermäuse, davon 16 Grosse Mausohren (8 davon im gesicherten Keller in Stein am Rhein!), 3 Wasserfledermäuse, 2 Fransenfledermäuse und 2 Langohren nachweisen (vgl. Karte unterhalb).

Karte

Ganz anders sieht dies im westlich des Kantons Schaffhausen gelegenen Wutachtal südlich von Blumberg aus, wo das seit Jahren bekannte Winterquartier der Mopsfledermaus im berühmten Kreiskehrtunnel der Sauschwänzlebahn für Furore sorgte. Wegen des Winterquartiers, in dem im vergangenen Winter 240 Individuen der seltenen und stark bedrohten Mopsfledermaus Winterschlaf hielten, wurde der neu geplante Winterbetrieb der Museumsbahn mit Dampfloks von Seiten der Naturschutzbehörde kurzerhand untersagt (vgl. Artikel im Südkurier vom 10.01.2014). Eine Massnahme, die für den Betreiber-Verein kurz vor den geplanten Nikolaus-Fahrten zwar ärgerlich gewesen sein mag, aber aus Sicht des Fledermausschutzes dennoch verhältnismässig erscheint: In Anbetracht der Tatsache, dass eine Störung der Tiere mitten im Winterschlaf eine Gefährdung für die gesamte Population, deren Ausbreitung im Sommer bis vor die Tore der Stadt Schaffhausen geht (was aus verschiedenen Telemetriestudien aus den Jahren 2003-06 bekannt ist), bedeuten würde, blieb den Behörden nach einer Interessensabwägung nur ein solch unbeliebter Entscheid übrig.

Winterquartiere

Ob die im Vergleich zu früheren Wintern sonst eher tiefen Bestände direkt mit den milden Wintertemperaturen zusammenhängen, darüber lässt sich nur spekulieren. Möglicherweise verkriechen sich die Tiere wie wohl die meisten Fledermäuse an anderen, uns bisher unbekannten oder für uns unzugänglichen Orten, so beispielsweise in den zahlreichen Felsspalten im Randengebiet.

Aber zugegeben, unsere tiefe Gesamtzahl hat mitunter noch einen ganz anderen, erklärbaren Grund: Der Eingang zur Sandsteinhöhle am Cholfirst bei Schlatt, in der wir regelmässig rund ein Dutzend Fledermäuse nachweisen konnten, ist durch die Erosion so stark eingestürzt, dass sie nicht mehr begehbar ist. Im Rahmen unserer Vereinsaktivität werden wir uns deshalb aktiv dafür einsetzen, das attraktive Winterquartier zu sichern und wieder zugänglich zu machen (vgl. Bild rechts mit eingestürzterm Sandsteinkeller am Cholfirst bei Schlatt und saniertem Keller am Rodenberg bei Diessenhofen).