24.04.2014: «Mission Nordfledermaus» – einer besonderen Fledermausart auf der Spur

Nordfledermaus

Nordfledermäuse besiedeln die nördliche Halbkugel bis über den Polarkreis, doch in unserer Region wissen wir kaum etwas über diese Fledermausart. Mit einem Projekt, bei dem uns die Bevölkerung aktiv unterstützen kann, wollen wir jetzt mehr erfahren.

Ebenso ungewöhnlich wie die Fledermaus selbst waren am 3. Juni 1995 die Fundumstände: Mitarbeitende der SIG haben bei Arbeitsbeginn am Morgen nicht schlecht gestaunt, als sie in ihrem Büro nach einer Gewitternacht in einem Papierkorb eine Fledermaus vorfanden. Für noch mehr Aufsehen sorgte bei den Fledermausschützenden jedoch, dass es sich beim Tier, das sich offensichtlich durch ein gekipptes Fenster ins Büro geflüchtet hatte, um eine Nordfledermaus (Eptesicus nilssonii) handelte. Es war der erste Nachweis dieser Fledermausart in weitem Umkreis, auch heute noch liegt der bekannte Verbreitungsschwerpunkt in der Schweiz im Alpenraum und am Jura-Südfuss (vgl. Karte Abb. 1). Bei einer spontan anberaumten Telemetrie-Aktion hat sich gezeigt, dass das Weibchen bevorzugt entlang der Hänge des Rheinfallbeckens jagte, als Tagesquartier nutze es zusammen mit rund einem halben Dutzend anderen Artgenossen Spalten unter den Firstziegeln der katholischen Kirche Neuhausen am Rheinfall.

Nordfledermaus CH

Ein weiterer Mosaikstein ergab sich drei Jahre später, als von der Hausbesitzerin im Zwischendach ihres Wohnhauses an der Wüscherstrasse ein Fledermausvorkommen gemeldet wurde. Wie sich bei einer anschliessenden Kontrolle herausgestellt hat, handelte es sich um eine Wochenstube mit 29 erwachsenen Nordfledermaus-Weibchen. Damit war auch der Fortpflanzungsnachweis erbracht.

Das vorläufig letzte Kapitel bildete der Nachweis einer weiteren Wochenstube an der Zentralstrasse Anfang Juli 2009. Ein noch nicht flügges Jungtier, das am Strassenrand lag, hat unmittelbar zur Wochenstube unter der Blechverschalung des benachbarten Hausdachs geführt.

Allen Beobachtungen gemeinsam ist, dass die Tiere jeweils Anfang Juli innerhalb weniger Tage aus Neuhausen zu verschwinden scheinen. Bisher kann nur gemutmasst werden: möglicherweise ziehen sie in den Randen, wo wir neben einem Totfund aus Merishausen im vergangenen Sommer mittels bioakustischer Aufzeichnungen den Hinweis erhalten haben, dass Nordfledermäuse im Randengebiet unterwegs sind.

Nordfledermaus Neuhausen

Auf jeden Fall scheint Neuhausen am Rheinfall für Nordfledermäuse, welche vom BAFU als prioritäre Art eingestuft wurden, besonders attraktiv zu sein. Dies liegt eventuell an der besonderen Kombination von Naturlebensraum und noch reichlich vorhandener älterer Bausubstanz, insbesondere südlich der Zentralstrasse. Hier besteht jedoch zunehmend die Problematik, dass die Gebäude saniert werden und Spaltquartiere, wie sie die Nordfledermäuse nutzen, zu verschwinden drohen, wenn es nicht gelingt, gezielte Begleit- und Fördermassnahmen zu ergreifen.

Unser vordringliches Ziel ist es deshalb, im kommenden Juni mehr Wissen zur Quartiersituation zu erlangen. Dazu möchten wir eine bisher eher unkonventionelle Methode einsetzen: Da Fledermäuse vor dem Einflug ins Quartier ein typisches Schwärmverhalten zeigen, stehen die Chancen gut, ihre Quartiere beim Abschreiten von Strassen und Wegen aufzuspüren. Dies gelingt jedoch nur, wenn im entscheidenden Zeitfenster während der Morgendämmerung gleichzeitig möglichst viele wachsame Augen Ausschau halten.

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