29.06.2015: «Mission Nordfledermaus 2015» - erste Ergebnisse und Videosequenzen

Nordfledermaus

Nach einem erfolgreichen Saisonstart ist es uns gelungen, in Neuhausen insgesamt sechs Nordfledermaus-Weibchen abzufangen und mit Miniatursendern auszurüsten. Die ersten Ergebnisse zeigen, dass diese Fledermausart ihre Jagdgebiete bei uns hochspezifisch auszusuchen scheint, was im Hinblick auf eine Beurteilung der Gefährdung und möglicher Fördermassnahmen bedeutsam ist.

Bevorzugte Jagdgebiete sind Hanglagen mit Hecken oder lichtem Baumbestand mit eher felsigem Untergrund, wobei die Nähe zum Rhein ebenfalls eine wichtige Rolle zu spielen scheint. Ganz besonders ins Auge sticht die Konezentration auf den Geländestreifen zwischen Bahnlinie und Rhein gleich unterhalb des SBB-Bahnhofs Neuhausen am Rheinfall. Dort waren die Nordfledermäuse im Mai zu Dutzenden anzutreffen. Am Rheinuferweg fliegen sie einem regelrecht um die Köpfe, nutzen aber insbesondere auch die am Bahndamm gelegene Hecke intensiv zur Jagd.

Auch was die Wahl der Quartiere betrifft, so besteht eine klare Fokussierung. Nachdem wir vor einem neu entdeckten Zwischenquartier unmittelbar neben der bekannten Wochenstube vier Weibchen abgefangen und besendert hatten, zogen diese - abgesehen von einer Ausnahme - in die bereits bekannte Wochenstube um. Auch die zwei im Jagdgebiet gefangenen Weibchen nutzten konstant dasselbe Quartier. Regelmässige Ausflugszählungen zeigten einen Bestand von rund 60 Tieren, womit der Wert um rund 10 Tiere höher liegt als im Vorjahr.

Es bleibt nun spannend abzuwarten, ob und wann sich die Kolonie wieder auflöst und aufteilt. 2014 war dies um den 20. Juni bereits der Fall, dieses Jahr scheinen sich die Tiere mehr Zeit zu lassen (am 29. Juni konnten immer noch 65 Ausflüge registriert werden).

Dank der Wärmebildkamera, die uns derzeit zur Verfügung steht, konnten wir die Nordfledermäuse am Quartier und im Jagdgebiet intensiv beobachten. Die interessantesten Sequenzen haben im Folgenden für Sie zusammengestellt.

Ausflug aus dem Quartier

Die Video-Sequenz zeigt, wie die Nordfledermäuse in der Abenddämmerung ihr Zwischendachquartier verlassen. Vom Ausflug des ersten Tiers bis zum letzten Tier verstreichen in der Regel rund 20-25 Minuten, wobei jeweils gut 60 Ausflüge gezählt werden können.

Die Aufnahme zeigt den Ausflug mehrerer Tiere hintereinander. Nachdem eine Gruppe das Quartier verlassen hat, dauert's wieder einen Moment, bis die nächsten Tiere folgen (es lohnt sich also abzuwarten und bis zum Ende der Sequenz zu gedulden).

Jagdsequenz beim Rhein

Im Mai war der schmale Streifen zwischen SBB-Bahnhof Neuhausen und dem Rhein ein regelrechter Magnet für die Nordfledermäuse. Die Tiere verbrachten im Durchschnitt schätzungsweise 50-70 Prozent ihrer Jagdzeit in diesem nur 500 Meter langen Abschnitt zwischen Pontonierhaus und Flurlingersteg.

Die Aufnahme zeigt eindrücklich, wie kleinräumig die Nordfledermäuse an der Hecke entlang des Bahndamms jagen (im Hintergrund das Stromkabel, das entlang der Bahngleise verläuft).

Einflug ins Quartier

Dank der besenderten Tiere konnten wir feststellen, dass die ersten Nordfledermäuse bereits nach rund dreiviertel Stunden wieder vom Jagdgebiet ins Quartier zurückkehren - und zum Teil für den Rest der Nacht nicht mehr ausfliegen!

Dass nicht nur einzelne Tiere bereits nach kurzer Jagdzeit zurückkehren, konnten wir mit diesen Aufnahmen belegen. Nach gut anderthalb Stunden war im Mai bereits wieder rund ein Drittel der Kolonie im Quartier zurück.

Die Aufnahme zeigt, wie innerhalb von knapp einer Minute zwei Tiere das Quartier zuerst mehrfach anfliegen und schliesslich im Zwischendach verschwinden.

«Bruchlandung» beim ersten Ausflug eines Jungtiers

Am 2. Juli, als diese Aufnahmen gemacht wurden, legte ein frisch flügges Nordfledermaus-Junges nur rund einen Meter neben der Kamera auf dem Gehweg eine Bruchlandung hin.

In der Sequenz sind zuerst einige Tiere zu sehen, welche normal ausfligen, bei 22:21:27 fliegt das Tier aus, das trudelnd Richtung Boden gleitet.

Die Aufnahme zeigt eindrücklich, dass der erste Ausflug bei spaltbewohnenden Fledermausarten ein Sprung ins kalte Wasser ist, der ab und zu auch einmal schief gehen kann. Vom Boden aufgehoben und auf einen Zaunpfosten gesetzt, konnte das Jungtier, das noch nicht die Grösse einer erwachsenen Nordfledermaus erreicht hatte, dann problemlos starten.

Die Wochenstube löst sich jetzt langsam auf, an diesem Abend konnten noch 46 ausfliegende Tiere gezählt werden.