25.03.2016: Neues Betriebsreglement für die Rheinfallbeleuchtung

Rheinfallbeleuchtung 2008

In den kommenden Wochen wird für die Beleuchtung des Rheinfalls ein neues Betriebsregime eingeführt. Was dies mit den Fledermäusen zu tun hat, wie es dazu gekommen ist und weshalb damit dennoch noch nicht ganz alle Probleme in Bezug auf die Lichtverschmutzung gelöst sind, möchten wir Ihnen an dieser Stelle näherbringen.

Rheinfallbeleuchtung 2002

Der Ursprung der Geschichte geht auf das Jahr 2008 zurück, als das Elektrizitätswerk des Kantons Schaffhausen (EKS) anlässlich seines 100-Jahr-Jubiläums der Gemeinde Neuhausen am Rheinfall eine neue Rheinfallbeleuchtung schenkte, die vom St. Galler Lichtkünstler Charles Keller konzipiert wurde (Bild rechts). Diese brachte in Bezug auf die Anleuchtung des Wasserfalls dank seitlicher Anbringung nahe am zu beleuchtetenden Objekt und präziser Ausrichtung eine deutliche Reduktion der Lichtverschmutzung gegenüber der alten Flutlichtanlage, die recht ungezielt über das gesamte Rheinfallbecken gestrahlt hatte (Bild links). Da die Mehrheit der einheimischen Fledermausarten - um nicht von Feinden entdeckt zu werden - Licht meidet, waren grosse Teile des Rheinfallbeckens zuvor «Fledermaus-Wüste».

Im ursprünglichen Projekt war neben der zusätzlichen Beleuchtung von einzelnen Gebäuden auch die Beleuchtung der Fahnenburg (26 Kantonsfahnen) am Quai, sowie die Anleuchtung von Bäumen im Park bei der Alusuisse-Sklulptur vorgesehen. Aufgrund der Intervention des Naturschutzes konnte jedoch erreicht werden, dass sowohl auf die Errichtung der Bodenleuchten, die den Himmel stark erhellen und daher auch für Zugvögel ein Problem darstellen können, als auch auf die Beleuchtung der Bäume, in deren Umgebung das ökologische Gleichgewicht massiv gestört worden wäre, verzichtet wurde. Nicht umsonst verstossen von unten nach oben strahlende Leuchten gegen die 2013 erschienene Norm SIA 491. Grudsätzlich unabhängig von diesen Bemühungen verlangte die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK, das Rheinfallgebiet geniesst bundesrechtlichen Schutz) eine Einschränkung der Betriebszeiten bis maximal 23:00 Uhr an höchstens 322 Tagen pro Jahr, die dann im Betriebsreglement von 2008 entsprechend verankert wurde. Die Absicht dahinter war neben der Schonung des Naturlebensraums auch, dass die Möglichkeit bestehen sollte, den Rheinfall nachts als Naturschauspiel in seiner ursprünglichen Form zu erleben. Ebenso wurde ein Betrieb der Rheinfallbeleuchtung Mitte Juni bis Anfang Juli aufgrund der ohnehin sehr kurzen Betriebszeit zwischen Dämmerung und 23:00 Uhr und während der Winterpause damals für wenig sinnvoll betrachtet.

Rheinfallbeleuchtung blau mit Industriebauten

Da mit Inbetriebnahme der neuen Rheinfallbeleuchtung jedoch nicht wie erwartet alle Teile der alten Beleuchtung rückgebaut wurden, führte dies dazu, dass die auferlegte Beschränkung der Betriebstage systematisch ausgehebelt wurde, indem die Gastronomen an den Tagen, an denen keine Beleuchtung vorgesehen war, die alten Flutlichter wieder einschalteten. Von Seiten des Fledermausschutzes wurde das mittlerweile neu zuständige kantonale Hochbauamt wiederholt auf diesen Missstand hingewiesen, und gleichzeitig wurde der Vorschlag eingebracht, dass man eventuell gemeinsam mit den Betroffenen die Beschränkung auf 322 Tage diskutieren sollte, wenn dies den Weg für den Rückbau der alten Flutlichtanlage ebnen würde. Es zogen aber rund fünf Jahre ins Land, bis dann im Rahmen der Untersuchungen im Zusammehang mit unserem Projekt «Mission Nordfledermaus» und nach erneuter Intervention vor rund einem Jahr Bewegung in die Sache kam. Bei einem Treffen von Vertretern des Kantons, der Anrainergemeinden, aus Tourismus und Gastronomie, der ENHK, sowie des Kantonalen Fledermausschutz-Beauftragten gelang dann der Durchbruch: Es wurde beschlossen, dass die alte Flutlichtanlage per sofort zurückgebaut wird, und man wurde sich einig, dass das bestehende Beleuchtungsreglement zugunsten ausgeweiteter Betriebszeiten überarbeitet werden soll. Neu darf der Rheinfall an 341 Tagen nach wie vor bis 23:00 Uhr beleuchtet werden, wobei der Rheinfall jeweils an Vollmondnächten und der darauf folgenden Nacht unbeleuchtet erlebt werden kann (-> Beleuchtungsplan). Gleichzeitig konnte von Seiten des Fledermausschutzes erreicht werden, dass zwischen 1. April und 15. Oktober zugunsten des Insektenschutzes auf blaues Licht (Insekten werden dadurch verstärkt angelockt, womit sie dem Naturlebensraum entzogen werden) verzichtet wird. Ebenso konnte ausgehandelt werden, dass während des Sommerhalbjahrs auf die Anleuchtung der Industriebauten im SIG-Areal mittels von unten nach oben gerichteten Flutstrahlern, die einen hohen Anteil an die Lichtverschmutzung beitragen, verzichtet wird (Bild oben).

Wegbeleuchtung Rheinfall

Eine Verbesserung, die unabhängig von der Rheinfallbeleuchtung in Zusammenarbeit mit dem Kantonalen Hochbauamt in den vergangenen Jahren erreicht werden konnte, ist die Reduktion der Leistung bei der gesamten Wegebeleuchtung im Rheinfallbecken von ursprünglich 70 auf 50 Watt pro Leuchte (Bild links). Diese Änderung leistete in Bezug auf die Reduktion der Lichtemissionen im Rheinfallgebiet - ohne dass dies für Passanten wahrnehmbar wäre - einen ganz wesentlichen Beitrag, so dass sich zwischenzeitlich viele Fledermausarten das Gebiet zurückerobert haben. Gleichzeitig ist bei dieser Massnahme, die im Rahmen der regulären Wartungsarbeiten kostenneutral durchgeführt werden konnte, der Energiebedarf gesunken. Heute dürfen wir mit etwas Stolz feststellen, dass das Rheinfallbecken aufgrund seiner ausserordentlich reichen Insektenvorkommen wieder eines der bedeutendsten Fledermaus-Jagdhabitate in unserer Region ist, in dem neben den seltenen Nordfledermäusen auch Grosse Abendselger, Wasserfledermäuse, Zwergfledermäuse, Rauhautfledermäuse, Weissrandfledermaus und weitere Arten zu Hunderten vorkommen.

Fassadenbeleuchtung Wörth

Also alles bestens? Nicht ganz. Aktuell besteht noch die Diskussion um die Beleuchtung der Nordostfassade des Schlössli Wörth. Zwar konnten im Bereich des Zugangs zum Schlössli Wörth beleuchtungstechnisch markante Verbesserungen erreicht werden, doch die vor drei Jahren erneuerte Fassadenbeleuchtung (Bild rechts) führt zu einer Erhellung des Eingangs der nahe gelegenen Höhle, in der sich bis zu 320 Wasserfledermäuse aufhalten (Bild unten).

Wasserfledermäuse Rheinfallhöhle

Da es sich bei der Höhle um eines von nur fünf unterirdischen Objekten von eurpäischer Bedeutung handelt (gestützt auf das UNEP/Eurobats-Abkommen, das auch von der Schweiz ratifiziert wurde), wäre es aus Sicht des Fledermausschutzes das Beste, wenn - wie dies in den vergangenen Jahren im Sommer jeweils der Fall war - zwischen 1. April und 15. Oktober ganz auf die Beleuchtung dieser einzelnen Fassadenseite verzichtet werden könnte. Aber selbst wenn die Gäste im Sommer die beleuchtete Fassade maximal beim Verlassen der Lokale wahrnehmen werden, ist das kantonale Baudepartement kürzlich zum Schluss gekommen, dass der gastro-touristische Nutzen hoch zu gewichten sei. Mindestens soll nun aber versucht werden, die Scheinwerfer besser abzuschirmen. Ob diese Massnahme dann den gewünschten Effekt zeitigen wird, bleibt offen und sollte anschliessend unbedingt mittels einer vergleichenden Untersuchung des Ausflugs- und Jagdverhaltens überprüft werden. Wir bleiben auch diesbezüglich sicher am Ball, genauso wie bei der Beleuchtung der neuen SBB-Haltestelle Neuhausen Rheinfall, bei der die SBB glücklicherweise sehr kooperativ ist und ein Einsehen dafür hat, dass eine verbesserte Abschirmung den Hang hinunter Richung Rheinfallbecken notwendig ist, um die im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens einbebrachten Anliegen zu erfüllen.

Weitere Informationen zum Thema Aussenbeleuchtung und Vermeidung von Lichtverschmutzung finden Sie im Merkblatt «Licht und Transparenz» (-> Download), welches durch die Stadt Schaffhausen, die Gemeinde Neuhausen am Rheinfall und den Kanton Schaffhausen in Zusammenarbeit mit dem Fledermausschutz herausgegeben wurde.